Was Du über Stachelbeeren wissen musst

Kleine Pflanzenkunde

Eine ganze Pflanzenfamilie ist nach ihnen benannt: die Stachelbeere gehört zur Familie der Stachelbeergewächse. Teil dieser Familie ist auch die Johannisbeere (Wissenswertes rund um die Johannisbeere sowie Lagerungs- und Verwendungstipps findest Du hier). Die Stachelbeere ist ein kleinerer Strauch, der in der Regel etwa einen Meter groß wird. Es gibt jedoch auch Sorten, in denen einige Exemplare bis zu drei Meter in die Höhe wachsen. Eigentlich ist ihr Name botanisch gesehen irreführend, denn an den Ästen der Stachelbeere befinden sich gar keine Stacheln, sondern Dornen. Inzwischen gibt es allerdings auch Sorten, die keine mehr haben. Die Farbpalette der Beeren reicht von grün-weiß über gelb und rot bis hin zu braun. Sie alle tragen typischerweise einen weißlichen Längsstreifen. Meist werden die eiförmigen Früchte zwei, teilweise bis zu drei Zentimeter groß. Ihr weiches, saftiges Fruchtfleisch umhüllt viele kleine Kerne, die mitgegessen werden. Die Beeren einiger, vor allem älterer Sorten haben auf ihrer Oberfläche feine Flaumhärchen. Wie viele Sorten es auf der Welt gibt, lässt sich nicht genau sagen. Von April bis Mai ist die Stachelbeere eine Bienenweide, deren eher unscheinbare Blüten einen Nektar produzieren, der Bienen und Insekten ganz besonders gut schmeckt.

Eine weitgehend unbekannte Geschichte

Die ursprüngliche Heimat der Stachelbeerpflanze lässt sich nur vermuten, und zwar tendenziell in Nordafrika oder Eurasien. Etwa seit dem 14. oder 15 Jahrhundert wird der Strauch in Europa kultiviert und sogar als Heilpflanze verwendet. Später ist die Stachelbeere in fast jedem Garten zu finden. In den letzten Jahrzehnten ist die Pflanze etwas in Vergessenheit geraten, möglicherweise liegt das unter anderem daran, dass sie Ende der 70er stark vom Amerikanischen Mehltau befallen wurden. Nun gibt es robustere Sorten, die dieser und vielen anderen Krankheiten trotzen. Sie werden überall dort auf der Welt angebaut, wo gemäßigtes Klima herrscht. Äußerst beliebt und viel kultiviert werden sie beispielsweise in England. Die größten Anbaugebiete Deutschlands befinden sich in Niedersachsen, Nordrhein-Westphalen, Baden-Württemberg und um Hamburg.

Die Besonderheit der Stachelbeeren

Im Hinblick auf die Saison ist die Stachelbeere im Vergleich zu allen anderen bei uns heimischen Beeren einzigartig. Ihre Beeren können sowohl im reifen als auch unreifen Stadium gepflückt werden. Letzteres wird Grünpflücke genannt. Die Beeren werden noch grün und klein – in etwa, sobald sie ein Drittel ihrer eigentlichen Größe erreicht haben – geerntet. Sie sind nicht für den rohen Verzehr gedacht, dafür wären sie viel zu sauer, sondern für die Weiterverarbeitung zu Saft, Konfitüre oder Kompott. Für diesen Zweck können Stachelbeeren ab Ende Mai geerntet werden, die Saison für reife Beere beginnt Ende Juni und dauert bis in den September hinein.

Vitamin-C-Bombe

Stachelbeeren enthalten vor allem jede Menge Vitamin C, sowie vielseitige andere Inhaltsstoffe, die eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit haben. An Mineralstoffen kann die Stachelbeere Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium und Eisen aufweisen. Das Eisen kann durch das viele Vitamin C sogar besonders gut aufgenommen werden. Doch nicht nur Vitamin C, auch Vitamin E und Provitamin A sowie Folsäure stecken in der Stachelbeere. Genauso wie Pektine, Schleimstoffe und die Fruchtsäuren Apfel- und Zitronensäure, die unserer Verdauung guttun. Wie viele andere Obst- und Gemüsesorten reduzieren auch Stachelbeeren durch ihre sekundären Pflanzenfarbstoffe, wie beispielsweise Flavonoide, das Risiko, an Krebs zu erkranken. Zudem enthalten sie Silizium, welches im gesamten Körper eine wichtige Rolle spielt, da es unser Immunsystem stärkt und dafür sorgt, dass unser Bindegewebe elastisch, aber dennoch stabil bleibt. Bei Bauchschmerzen, Magen-Darm-Problemen und Entzündungen wird der Stachelbeere eine heilende Wirkung nachgesagt. Sie enthält zwar nicht allzu wenig Zucker, jedoch so gut wie keine Kohlenhydrate und viele Ballaststoffe.

Wie wäre es mit eigenen Stachelbeeren?

So lecker und gesund wie sie sind, lohnt es sich in jedem Fall, eine eigene Stachelbeerpflanze im Garten oder auf dem Balkon zu haben. Bei der Kultivierung auf dem Balkon ist nur zu beachten, dass ein ausreichend großer Topf und genug Platz vorhanden sein sollte. Zu kaufen gibt es Stachelbeeren oft als Strauch oder Hochstämmchen. Während ein Hochstämmchen die Ernte erleichtert und eine dekorative Wirkung hat, sind Sträucher robuster und langlebiger. Gleichzeitig haben sie einen höheren Ertrag. Allgemein sind Stachelbeeren in Anbau und Pflege unkompliziert und haben wenige Ansprüche an ihre Umwelt. Außerdem sind sie winterhart. Der beste Zeitpunkt für die Pflanzung ist im Herbst oder Frühjahr. Dafür brauchst Du einfach ein Loch an einer geeigneten Stelle auszuheben, das groß genug ist, dass der Wurzelballen vollständig darin verschwindet. Besser, die Stachelbeere steht etwas zu tief, als zu hoch. Anschließend musst Du sie kräftig angießen. Es ist empfehlenswert, verschiedene Sorten nebeneinander zu pflanzen. Sie sind zwar in der Lage, sich selbst zu befruchten, der Ertrag ist bei mehreren Pflanzen aber besser. In kühleren Regionen fühlen sich Stachelbeeren in die Sonne am wohlsten, in wärmeren Regionen ist ihnen Halbschatten lieber, da sie ansonsten einen Sonnenbrand bekommen können. Gerne stehen sie windgeschützt in feuchter, nährstoffreicher Erde, die weder zu sauer noch zu kalkhaltig ist (aber lieber etwas kalkhaltiger als sauer). Bei Frost kann es passieren, dass die Blüten Schaden nehmen. Bei heißem, trockenem Wetter ist es wichtig, die Stachelbeere regelmäßig zu gießen. Die Beeren sind reif, wenn sie groß, prall und weich sind und ihre Farbe entsprechend ihrer Sorte vollständig ausgeprägt ist. Einmal im Jahr sollte der Strauch zurückgeschnitten werden.

Gute Lagereigenschaften

Wieder haben Stachelbeeren im Vergleich zu anderen Beeren einen Vorteil: sie sind bedeutend länger haltbar, vor allem wenn sie unreif geerntet wurden. Dann halten sie sich gekühlt etwa zwei Wochen. Reife Stachelbeeren bleiben 3-5 Tage, ständig kühl gelagert maximal eine Woche genießbar. Am besten verteilst Du reife Stachelbeeren auf einem Teller oder Ähnlichem, wenn Du sie lagern möchtest. Auf diese Weise entstehen keine Druckstellen. Zu weiche oder offene Früchte solltest Du immer entfernen, bestenfalls gleich naschen. Es ist möglich, Stachelbeeren einzufrieren. Damit sie nicht zu einem riesigen Klumpen verkleben, kannst Du sie erst auf einem Tablett verteilt vorfrieren und dann in ein anderes Behältnis umfüllen. Zum Einfrieren eignen sich am besten Beeren, die kurz vor der Vollreife stehen, da sie noch fester sind und nicht so leicht platzen. Um die Früchte länger haltbar zu machen, kannst Du sie auch einwecken.

Vielseitige Verwendungsmöglichkeiten

Grundsätzlich sind Stachelbeeren perfekt, um sie einfach nur frisch zu naschen. Falls Du einen sensiblen Magen hast, könnte die Schale etwas weniger bekömmlich für dich sein. Um die leckeren Früchte dennoch genießen zu können, kann Du sie kurz in Wasser dünsten. Dadurch wird die Schale weicher. Stachelbeeren lassen sich vielfältig weiterverarbeiten, zum Beispiel zu Kuchen, Torten, Kompott, Marmelade, Gelee, Saft, Kaltschalen, Fruchtmus oder süß-säuerliche Chutneys. Marmelade und Gelee gelieren durch das Pektin in den Stachelbeeren besonders gut. Stachelbeeren werden aber auch zur Weinherstellung genutzt. Bei der Verarbeitung könnte dir auffallen, dass sich die Beeren leicht braun färben, dies hat aber keinerlei Einfluss auf Bekömmlichkeit oder Geschmack. Übrigens: nicht nur die Früchte, auch die Blätter der Stachelbeere können verwendet werden, z.B. für Tee.