Alles rund um die Kirsche

Kirschen

Das Wort Kirsche bezeichnet sowohl den Laubbaum, der zur Familie der Rosengewächse gehört, als auch die leckeren kleinen Steinfrüchte, die an ihm reifen. Kirschen haben je nach Sorte eine rundliche, ovale oder Herz-Form und eine gelbe bis dunkelrote, beinahe schwarze Farbe. Kirschholz zählt aufgrund seiner besonderen Färbung – sein Kernholz ist gelbrot bis rotbraun, sein Splintholz weiß-gelblich gefärbt – zu den edlen Hölzern. Grundsätzlich werden Kirschen in Süß- und Sauerkirschen unterteilt, es gibt jedoch auch Kreuzungen zwischen diesen Arten.

Süßkirschbäume werden bis zu 20 Meter hoch und besitzen eine breite Krone. Insgesamt gibt es heute um die 500 Sorten. Zu den Süßkirschen gehören die weichen und saftigen Herzkirschen, die sich besonders für die Herstellung von Saft eignen, die Knorpelkirschen mit ihrem festeren Fruchtfleisch sowie die Vogelkirsche, die Wildform der Süßkirschen. Diese haben in der Regel kleinere und bitterere Früchte, die allerdings nicht nur Menschen und Vögeln, sondern auch den verschiedensten Insekten sehr gut schmecken. Aus diesem Grund verfolgen Vogelkirschen eine bemerkenswerte Strategie, um neue Blätter nach dem Austrieb zu schützen: sie arbeiten mit Ameisen zusammen. Am Ende der Blattstiele bildet die Vogelkirsche Nektardrüsen, die einen Zuckersaft absondern, welchen Ameisen äußerst lecker finden. Die Ameisen verteidigen im Gegenzug den Baum vor anderen Insekten, indem sie sie vertreiben oder fressen.

Sauerkirschen bilden meist kleinere und weichere Früchte aus, die an Sträuchern oder bis zu 10 Meter hohen Bäumen wachsen. Von ihnen gibt es derzeit etwa 250 Sorten. Dazu zählen die gelb oder bunt gefärbten Glaskirschen mit ihrem hellen, nicht-färbenden Saft, die ziemlich sauren Schattenmorellen und die etwas süßeren und dunkleren Süßweichseln, deren Saft kräftig rot färbt. Saure Kirschen werden gern in süßen Gerichten verwendet, da sie ihnen eine besonderes Aroma und fruchtige Frische verleihen.

Einblick in die Kulturgeschichte

Wild wachsende Süßkirschen, also Wilde Vogelkirschen, waren bereits im alten Griechenland und Rom bekannt. Mit der Ausbreitung des römischen Reichs gelangten die Früchte vermutlich in das damalige Germanien und andere Teile Europas, in denen sie inzwischen heimisch sind. Aus dem griechischem Wort kérasos und lateinischem cerasus entwickelte sich über die althochdeutsche Bezeichnung kirsadas das deutsche Wort Kirsche. Die Kirsche erlangte größere Bedeutung in Bräuchen und Orakeln, vor allem die Früchte und blühende Zweige. In der Volksheilkunde spielte sie eine eher kleine Rolle. Im Mittelalter zählten Kirschen als Luxusgut für wohlhabende Menschen. Trafen sich diese zum gemeinsamen Kirschenessen und entdeckten dabei eine Person aus dem gemeinen Volk, sollen sie diese vertrieben und mit Kernen bespuckt haben. Daher soll das Sprichwort: „Mit denen ist nicht gut Kirschen essen“ stammen. Später erfreute sich die die Kirsche als Nahrungsmittel immer größerer und breiterer Beliebtheit. Die heutige Vielfalt an Süßkirschen entstand aus der Zucht der Wilden Vogelkirsche. Sauerkirschen entstanden vermutlich in Osteuropa durch die wiederholte Kreuzung mit der Steppenkirsche. In Japan hat die Kirschblüte eine besondere Bedeutung: seit etwa tausend Jahren wird mit dem Kirschblütenfest das Erwachen des Frühlings gefeiert und an die Vergänglichkeit allen Lebens erinnert. In China sind Kirschblüten ein Symbol für weibliche Schönheit. In Europa standen die Früchte lange als Zeichen für Verführung und Fruchtbarkeit, die Blüte im Gegensatz für Reinheit und Unschuld.

Anbau und Saison

Kirschen werden weltweit in den gemäßigten Klimazonen angebaut. Die derzeit wichtigsten globalen Produzenten sind die Türkei und die USA. In Europa werden außerdem in Spanien, Italien, Griechenland sowie Frankreich und Deutschland viele Kirschen kultiviert. Innerhalb Deutschlands befinden sich die größten Anbaugebiete für Kirschen in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Die Hauptsaison dauert bei uns etwa neun Wochen, von Anfang Juni bis Ende Juli oder Anfang August. Die Erntezeit der Kirschen wird traditionell Kirschwochen genannt, wobei eine Kirschwoche 15 Tage hat. Während es früher nur sieben Kirschwochen im Jahr gab, gibt es heute wegen der zahlreichen neuen Sorten sogar zwölf. Diese beginnen am 1.Mai und enden am 31.Oktober. Leider landen im Schnitt nur ein Drittel der heimischen Ernte im inländischen Einzelhandel. Dazu kommt, dass im Winter oft Kirschen aus Südafrika, Argentinien, Chile, Neuseeland oder Australien nach Deutschland importiert und somit hohe Emissionen verursacht werden. Daher ist es empfehlenswert, auf saisonale Bio-Kirschen aus der Region zurückzugreifen und diese für die Zeit außerhalb der Saison haltbar zu machen. Wir liefern dir gern regionale Bio-Kirschen vor die Haustür! Schau doch einfach mal in unserem Shop vorbei!

Kirschen selbst zuhause anbauen

Obst zum Naschen oder Weiterverarbeiten selbst anzubauen ist ein großer Spaß für die ganze Familie. Gerade viele Süß- und Sauerkirschen sind pflegeleicht und in zahlreichen Gärten zu finden. Sie erfreuen uns nicht nur mit ihren süßen Früchten, sondern auch mit einer wunderschönen Blüte im Frühjahr. Außerdem lieben Insekten und Vögel ihre Früchte, mit einem Kirschbaum in deinem Garten tust Du also auch der Natur und Biodiversität etwas Gutes. In einem ausreichend großen Kübel ist sogar eine kleine Ernte auf dem Balkon möglich. Die Auswahl an Kirschsorten ist groß, daher lässt Du dich am besten im Gartencenter oder in der Baumschule beraten, welche am besten in deinen Garten oder auf deinen Balkon passt. Allgemein haben Kirschbäume eher keine hohen Ansprüche und liefern dabei eine verlässliche Ernte. Sie brauchen lediglich einen sonnigen, geschützten Standort. Sauerkirschen sollen sogar noch pflegeleichter sein als Süßkirschen. Die beste Pflanzzeit ist der Herbst. Dann hat das Bäumchen bis zum Frühjahr noch genug Zeit, um sich zu verwurzeln. Wenn kein anderer Kirschbaum mit ähnlicher Blütezeit in der Nähe von deinem wächst, solltest Du noch einen zweiten pflanzen. Denn Kirschbäume können sich nicht selbst befruchten, sie sind auf die Pollen eines anderen Kirschbaums angewiesen. Die Reife der Früchte hängt von der Sorte und dem Wetter ab. Eine leuchtend rote Farbe ist nicht immer ein Zeichen dafür, sondern eher, dass sich die Früchte leicht vom Stiel ziehen lassen. Nur wenn Kirschen wirklich reif sind, entfalten sie ihr volles Aroma und haben den höchsten Vitamingehalt.

Vorsicht bei Regen: Das Wasser dringt über die Poren der Früchte in die Kirsche ein, wo es sich an den Zucker bindet und somit nicht wieder entweichen kann. Bei zu viel Regen können Kirschen platzen. Die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht sich, je reifer sie werden. Sorten mit kleineren, weniger prallen Früchten platzen seltener auf als solche mit großen und saftigen.

Wirkungen auf die Gesundheit

Kirschen enthalten die Vitamine A, C und E sowie einige B-Vitamine und unter anderem die Mineralstoffe Kalium, Phosphor, Calcium, Magnesium, Natrium und Eisen. Diese Substanzen unterstützen den Aufbau von Knochen und Zähnen, die Blutbildung und das Nervensystem. Außerdem stecken in den Kirschen reichlich Ballaststoffe, die die Verdauung anregen und weitere gesundheitsfördernde Stoffe wie Flavonoide (z.B. Catechine), Anthocyane und Cumarine. Pflanzliche Farbstoffe wie Anthocyane wirken antioxidativ, das heißt sie neutralisieren freie Radikale im Körper, die unsere Zellen angreifen, und beugen damit Krebs vor. Im Allgemeinen sollen Kirschen entgiftend und schmerzlindernd auf unseren Körper wirken. Sauerkirschen enthalten deutlich mehr Apfel- und Zitronensäure als Süßkirschen. Darüber hinaus wirkt ihr höherer Gehalt an Kalium noch stärker entwässernd und das enthaltene Melatonin hilft bei Einschlafproblemen. Eine Aminosäure namens Tryptophan sorgt bei allen Kirschsorten dafür, dass in unserem Körper ein Glückshormon gebildet wird, was uns gute Laune macht. In riesigen Mengen solltest Du Kirschen jedoch nicht essen, da sie ansonsten Verdauungsprobleme verursachen können. Grund dafür sind die hohen Mengen an Fructose und Sorbit. Allgemein wird empfohlen, nicht mehr als ein halbes Kilo auf einmal zu essen, um den Magen nicht zu überfordern. Nicht nur die Früchte, auch die Blätter, Kerne und Rinde der Kirsche können verwendet werden, z.B. für Tee oder wärmende bzw. kühlende Kirschkernkissen.

Verwendung und Lagerung

Kirschen werden meist roh verzehrt oder direkt verarbeitet, da sie nur wenige Tage haltbar sind und nicht nachreifen. Vermutlich wirst Du immer mal wieder auf eine madige Kirsche stoßen. Gesundheitsschädlich ist das auf keinen Fall. Willst Du die Maden dennoch aus deinen Kirschen locken, tust Du sie am besten in eine Schüssel, übergießt sie mit Wasser und lässt das Ganze etwa 30 Minuten stehen. Um ganz sicher zu gehen, kannst Du den Prozess noch ein-zwei Mal wiederholen. Der ideale Lagerort für Kirschen ist der Kühlschrank, darin bleiben sie frisch und knackig, allerdings maximal einige Tage. Gewaschen und entstielt werden sollten die kleinen Früchte immer erst kurz vor dem Verzehr, da nasse Kirschen, die anschließend wieder gelagert werden, schneller aufplatzen oder verderben. Auch große Temperaturschwankungen lassen die Früchte schneller schimmeln. Es ist ebenso möglich, Kirschen einzufrieren und sie auf diese Weise haltbar zu machen. Klassischerweise werden Kirschen zu Kuchen, Kompott, Saft oder Marmelade bzw. Gelee verarbeitet, genauso gut lassen sich aus ihnen Kirschwasser, Eis, Soßen oder rote Grütze und viele weitere, auch mal pikante oder herzhafte Leckereien zaubern.