Wie gesund sind Heidelbeeren wirklich?

Der Unterschied von Kulturheidelbeere und Waldheidelbeere

Heidelbeeren gehören zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse. Die Heidelbeeren, die es in Deutschland im Handel zu kaufen gibt, sind jedoch nicht die Nachfahren der Heidelbeeren, die wild in unseren Wäldern wachsen. Es handelt sich dabei um verschiedene Sorten.

Die wilden Waldheidelbeeren sind bodennah wachsende, kleine Halbsträucher, die maximal 50-60 cm hoch werden. Ihre weiß-, grün oder rötlichen, glockenförmigen Blüten erfreuen uns und viele Insekten von Mai bis Juni. Anschließend reifen die kleinen, kugeligen Früchte heran, tendenziell mehr im Spätsommer. Die Früchte haben eine tiefblaue Farbe und stark färbenden, bläulich-violetten Saft. Die Blätter der Heidelbeere sind eiförmig, laufen nach vorn leicht spitz zu und haben einen gezähnten Rand. Waldheidelbeeren findest Du hauptsächlich in Wäldern mit saurem, torfigem Boden. In den Alpen wachsen einige Exemplare in Höhen von bis zu 2500 Metern. Wilde Heidelbeeren sind mühseliger zu beernten und saurer als ihre kultivierten Verwandten, allerdings auch aromatischer und sogar gesünder. Die Verbreitung der Pflanzen erfolgt größtenteils über Vögel, die die Früchte fressen und die Samen an einem anderen Ort wieder ausscheiden. Außerdem vermehrt sich die Heidelbeere über Ableger, sogenannte Rhizome, die nahe der Bodenoberfläche wachsen. Aus ihnen können sowohl neue Stämme als auch Wurzeln wachsen. Dazu kommt, dass die Sträucher nicht nur in der Lage sind, Waldbrände zu überleben, sie bekommen dadurch einen regelrechten Wachstumsschub. Aus diesen Gründen gelten Heidelbeersträucher als beinahe „unsterblich“.

Kulturheidelbeeren unterscheiden sich bereits auf den ersten Blick durch die Größe des Strauchs von Waldheidelbeeren: sie erreichen Höhen von bis zu zwei Metern. Das erleichtert das Pflücken der Früchte maßgeblich. Auch die Beeren selbst sind größer als die der Waldheidelbeeren, und zudem fester, haltbarer und süßer im Geschmack. Ihr Fruchtfleisch und Saft sind hell und färben nicht. Zwar besitzen Kulturheidelbeeren weniger gesunde Fruchtsäuren und Farbstoffe als wilde, gelten allerdings trotzdem noch als Superfood. In letzten Jahren sind viele Kulturheidelbeersorten verwildert. Gleichzeitig werden ständig neue Sorten gezüchtet, beispielsweise gibt es inzwischen auch Heidelbeeren mit pinken Früchten, die sehr dekorativ wirken.

Eine alte Heilpflanze mit vielen Namen

Für kaum eine andere Beere gibt es so viele Bezeichnungen wie für die Heidelbeere: Sie wird Angelbeere, Bickbeere oder Blaubeere genannt. Ebenfalls geläufig sind Hällbeere, Hasenbeere oder Heubeere. Oder auch Krähenaugen, Mehlbeere und Schwarzbeere. Diese Liste könnte fast endlos fortgeführt werden. Die Bezeichnung Heidelbeere meint wohl etwas wie „auf der Heide wachsende Beere“. Der botanische Name unserer heimischen Waldheidelbeere lautet „Vaccinium myrtillus“. Die Kulturheidelbeeren, die wir meist aus dem Handel kennen, stammen von der Amerikanischen Heidelbeere namens „Vaccinium corymbosum“ oder anderen nordamerikanischen Arten ab. Waldheidelbeeren werden seit der Steinzeit von Menschen in Nordafrika und Eurasien gesammelt und als Nahrungsmittel oder Medizin verwendet. Im Mittelalter war die Äbtissin und Universalgelehrte Hildegard von Bingen die Erste, die ihre Heilwirkung schriftlich festhielt. Einige hundert Jahre später beschrieben auch diverse Ärzte des Mittelalters wie Jacobus Tabernaemontanus oder Hieronymus Bock die gesundheitlichen Wirkungen der Heidelbeere. Die Kultivierung der Pflanze erfolgte erst im 20. Jahrhundert, als es immer mehr Menschen vom Land in die Städte zog. Der amerikanische Botaniker Frederick Coville begann, Sorten mit besonders haltbaren, süßen und großen Früchten zu züchten, die zudem einfach anzubauen und zu beernten sein sollten. Seit den 1930ern werden vermehrt amerikanische Züchtungen in Deutschland und einigen anderen Ländern weltweit angebaut.

Wann haben Heidelbeeren Saison?

Im Supermarkt werden fast das ganze Jahr hindurch Kulturheidelbeeren aus aller Welt angeboten. Die langen Transportwege verursachen jedoch hohe Emissionen. Regionale Bio-Heidelbeeren sind daher die bessere Wahl. In Deutschland geht die Heidelbeer-Saison, je nach Sorte, etwa von Anfang Juli bis in den September hinein. Die Ernte erfolgt meist über mehrere Wochen hinweg, da nicht alle Früchte zum gleichen Zeitpunkt reifen. Wenn Du außerhalb der Saison nicht auf den süßen Geschmack von Heidelbeeren verzichten möchtest, kannst Du die Früchte in verschiedenen Formen haltbar machen. Dafür ist die Freude auch umso größer, wenn wieder die ersten frischen Beeren gekauft, gesammelt oder vom eigenen Strauch geerntet werden können.

Heidelbeeren im eigenen Garten (oder auf dem Balkon) anbauen

Sowohl wilde Sorten als auch Kulturheidelbeeren lassen sich einfach selbst anbauen. Das Einzige, worauf Du achten solltest, ist, dass der Strauch in leicht saurer Erde (mit einem niedrigen ph-Wert von etwa 4-5) steht. Darin fühlt er sich besonders wohl. Auf kalkhaltigen Böden wachsen die Pflanzen nur kümmerlich. Die entsprechende Erde erhältst Du im Gartencenter. Während sich die Wildform im Halbschatten am wohlsten fühlt, ist der Kulturheidelbeere ein sonniger Standort lieber. Die beste Zeit zum Pflanzen ist das zeitige Frühjahr oder der Herbst. Empfohlen wird ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu allen Seiten. Grabe zunächst ein möglichst breites und tiefes Loch, das Du saurer Erde und ggf. anderem organischen Material wie Kompost, verrotteter Sägespäne, Laub etc. auffüllst. Dann setzt Du deinen Strauch hinein und füllst weitere Erde auf, sodass der Wurzelballen komplett im Boden verschwindet. Heidelbeeren sind Flachwurzler, pass also beim Unkraut hacken gut auf, dass die Wurzeln nicht verletzt werden. Indem Du den Strauch mulchst, wird das Unkraut unterdrückt, die Feuchtigkeit im Boden und der ph-Wert niedrig gehalten. Es bietet sich ebenfalls an, Heidelbeeren in großen Pflanzgefäßen zu kultivieren. Diese können im Garten eingegraben oder auf die Terrasse, den Balkon etc. gestellt werden. Wichtig dabei ist, dass das Wasser ablaufen und keine Staunässe entstehen kann. Starke Trockenheit gefällt den Heidelbeeren allerdings genauso wenig, im Sommer ist Gießen daher notwendig, vor allem, wenn der Strauch in einem Kübel steht. Heidelbeeren können sparsam gedüngt und nach etwa fünf Jahren verschnitten werden. Mit der Ernte solltest Du warten, bis die Beeren tiefblau gefärbt sind. Die ersten Beeren kannst Du bereits im Jahr nach der Pflanzung erwarten. Sollten dir Vögel deine Ernte streitig machen, kannst Du den Strauch mit einem Netz vor ihnen schützen.

Die heilenden Eigenschaften der Heidelbeere

Heidelbeeren gehören zu den Superfoods und wirken teilweise wie ein Medikament. Welche und wie viele Inhaltsstoffe eine Beere genau enthält, hängt stark von den Umweltbedingungen während des Wachstums ab. Grundsätzlich gilt: je wilder und blauer die Früchte, desto gesünder sind sie. Wilde Sorten besitzen nämlich mehr Pflanzenfarbstoffe, die gegen freie Radikale im Körper wirken und uns somit vor Krebs schützen. Ansonsten sind Heidelbeeren reich an Vitamin C und weiteren Vitaminen, Mineralstoffen wie Magnesium und Eisen sowie Fruchtsäuren, Gerbstoffen und Karotenen. Sie stärken unser Immunsystem, reinigen Arterien und Blut, senken Blutdruck, Blutzuckerspiegel und das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Frisch können Heidelbeeren abführend wirken. Im getrockneten Zustand heilen sie Durchfälle. Bei Entzündungen z.B. im Mund- und Rachenbereich soll Heidelbeersaft helfen. Heidelbeerblätter werden in Form von Tee gegen Durchfälle, Magenbeschwerden, Blasenschwäche oder Husten eingesetzt.

Lagerung und Verwendung von Heidelbeeren

Heidelbeeren sind, wie die allermeisten Beeren, eher schlecht lagerfähig, zudem reifen sie nicht nach. Kulturheidelbeeren können länger aufbewahrt werden als Waldheidelbeeren, allerdings ist es immer ratsam, nicht allzu lange mit dem Verzehr zu warten. Gerade bei ungewaschenen Früchten machen sich Schimmelsporen schnell breit. Nach dem Pflücken sind Kulturheidelbeeren im Kühlschrank einige Tage bis zu maximal einer Woche haltbar. Ungekühlt können sie 3-4 Tage überstehen. Waldheidelbeeren sollten innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden. Frische Heidelbeeren erkennst Du daran, dass sie noch prall sind und mit einer leichten Pelzschicht bedeckt sind. Je älter sie werden, desto blanker und weicher werden sie. Größere Mengen Heidelbeeren kannst Du einfrieren, indem Du sie zunächst auf einem Tablett vorfrierst und anschließend in einen gut verschließbaren Behälter umfüllst. Genauso gut lassen sich die Beeren zu Marmelade, Saft, Soße, Kompott, Kuchen, Muffins, Eis, Smoothies, Joghurt, Wein, Likör und vielen weiteren Leckereien verarbeiten.