Was Brombeeren so gesund macht

Die Rubus Fruticosus hört auf viele Namen: sie ist unter anderem als Kratzbeere, Kortzbeere, Brummelbeere, Feldschwarzbeere, Bramel oder Hirschbollen bekannt. Die Bezeichnung Brombeere leitet sich vom althochdeutschen Ausdruck für „Dornbeere“ ab. Botanisch gesehen ist dieses Wort allerdings eher irreführend. Denn erstens trägt die zu den Rosengewächsen gehörende Brombeere Stacheln, und keine Dornen. Diese Stacheln dienen den Trieben der Pflanze als Rank- bzw. Kletterhilfe. Viele heutige Kultursorten haben jedoch keine mehr. Und zweitens sind die leckeren, blauschwarzen Früchte des Strauchs eigentlich gar keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte. Das bedeutet, sie bestehen aus vielen kleinen Steinfrüchtchen, die nebeneinander auf dem Fruchtboden sitzen. (Die Erdbeere ist ebenfalls keine Beere. Hier findest Du es heraus warum.) Brombeerblätter sind dunkelgrün, an der Unterseite etwas heller, leicht gezackt bzw. gefiedert und werden im Herbst meist nicht abgeworfen. Der mehrjährige Brombeerstrauch kann bis zu drei Meter hoch werden. Wilde Sorten haben kleinere Früchte, diese dafür aber einen aromatischeren Geschmack. Aus ihnen wird gern Likör oder Schnaps hergestellt. Die Brombeer-Saison geht von Ende Juli bis Ende Oktober, teilweise bis in den ersten Frost hinein. Eine Besonderheit der Sträucher ist, dass sie keine einheitliche Blütezeit besitzen. Manche blühen Ende Mai, andere bis in den Oktober hinein. Auch am gleichen Strauch werden die Früchte nicht gleichzeitig reif. In Europa soll es etwa 70 wildwachsende, kultivierte, ausgewilderte Brombeer-Arten geben. Dazu kommen über 2000 Unterarten, die oft nur in speziellen Regionen wachsen. Zahlreiche Wild- und Kulturformen der Brombeere sind heute auf der ganzen Welt verbreitet.

Eine altbewährte Heilpflanze

Der genaue Ursprungsort der Brombeere lässt sich nicht so leicht bestimmten. Vermutet wird er in der Mittelmeerregion. Auf jeden Fall gibt es die wilde Brombeere bereits seit Jahrtausenden in den tiefen Wäldern Europas und Nordamerikas. Und sie hat eine lange Tradition als Heilpflanze. Schon im alten Rom und Griechenland wurde sie medizinisch verwendet. Um etwa 400 v. Chr. Beschrieb Hippokrates, der als Urahn der Ärzte gilt, die entzündungshemmende und magenberuhigende Wirkung der Brombeerfrüchte und -blätter. In Rom wurden zur selben Zeit Brombeerblätter gegen Zahnfleischentzündungen gekaut und Brombeertee oder -saft gegen Durchfall getrunken. Obwohl die medizinische Verwendung inzwischen in den Hintergrund gerückt ist, werden Brombeeren aufgrund ihres Geschmacks noch immer sehr geschätzt. In Deutschland werden sie hauptsächlich in wärmeren Gegenden und Weinanbaugebieten kultiviert, z.B. in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Hessen. Außerdem ist sie in einigen Gärten zu finden.

Der eigene Brombeerstrauch

Es ist überhaupt nicht schwer, Brombeeren im eigenen Garten oder sogar auf dem Balkon anzubauen, da es sich (bei den meisten Sorten) um widerstandsfähige und unkomplizierte Sträucher handelt. Zunächst kannst Du dich über verschiedene Sorten informieren oder in einer Gärtnerei beraten lassen. Klassische Brombeersträucher mit Stacheln sind in der Regel robust, ertragreich und aromatisch. Stachellose eignen sich besser für den Balkon. Der Standort deiner Brombeeren sollte sonnig bis halbschattig sein. Je mehr Sonne die Früchte abbekommen, desto süßer und aromatischer werden sie. Zudem sollten Brombeeren windgeschützt und auf mäßig feuchtem Boden stehen. Der beste Zeitpunkt zum Pflanzen ist der Frühling. Hebe an einer geeigneten Stelle ein Loch aus, das etwas größer ist als der Wurzelballen. Fülle ein wenig Kompost hinein und pflanze anschließend den jungen Strauch. Achte darauf, dass Du ihn etwas tiefer setzt, als er bis dahin in der Erde steckte. Zum Schluss kannst Du ihn mit Erde bedecken und kräftig angießen. Um richtig wachsen zu können, brauchen Brombeeren eine Klettermöglichkeit. Das kann ein Zaun, ein Rankgerüst oder ein toter Baum sein. Zwischen zwei Brombeersträuchern sollten 3 Meter Platz sein, da sie groß und buschig wachsen. Im Frühling freuen sie sich über eine Düngung mit gut gereiftem Kompost. Regelmäßiges Zurückschneiden kann den Ertrag enorm steigern und die Ernte erleichtern. Wenn die Früchte ganz schwarz verfärbt sind und sich leicht vom Strauch lösen, sind sie reif.

Wertvoll für die Gesundheit

Nicht ohne Grund wird die Brombeere als Heilmittel verwendet. Von allen Beeren enthält sie das meiste Calcium und Provitamin A. Das Calcium unterstützt zusammen mit dem Phosphor den Aufbau und die Erhaltung von Knochen und Zähnen. Provitamin A schützt unter anderem die Augen. Zusätzlich stecken jede Menge B-Vitamine, Vitamin C und E sowie Magnesium, Kalium, Zink und Eisen in den kleinen Früchten. Durch die Verbindung mit Vitamin C ist das Eisen, welches die Blutbildung und den Sauerstofftransport fördert, für den Körper besonders gut nutzbar. Die zahlreichen sekundären Pflanzenstoffe, darunter die für die Färbung verantwortlichen Anthocyane, schützen Körperzellen und halten sie jung. Sie senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, lindern Entzündungen, hemmen Bakterien, Viren, Pilze und sogar das Wachstum von Krebszellen. Brombeeren sind zudem reich an Ballaststoffen wie Pektin. Pektin regt die Verdauung an, bindet Fett im Darm an sich und kann so die Cholesterinwerte sinken lassen. Die Fruchtsäure wirkt gemeinsam mit dem Kalium entwässernd. Obendrein sind Brombeeren sehr kalorienarm, enthalten wenig Zucker und kaum Fett. Die Blätter des Brombeerstrauchs haben ebenfalls sehr gesunde Inhaltstoffe, wie beispielsweise Gerbstoffe, Flavone und ätherische Öle. Getrocknet und als Tee aufgegossen wirken sie entzündungshemmend (z.B. bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum), leicht abführend aber auch gegen Durchfall, und helfen bei Fieber sowie Heiserkeit. Dafür kannst Du im späten Frühjahr die jungen Blätter des Brombeerstrauchs pflücken und trocknen – allerdings ohne direkte Sonneneinstrahlung, ansonsten gehen einige Wirkstoffe verloren.

Lagerung und Verarbeitung

Leider sind Brombeeren sehr empfindliche Früchte. Sie reagieren stark auf Druck und schimmeln schnell. Da diese Schimmelpilze sich schnell ausbreiten und giftige Stoffe ausscheiden können, die im schlimmsten Fall Krankheiten auslösen oder das Immunsystem schwächen, solltest Du angeschimmelte oder angefaulte Beeren immer direkt aussortieren. Wenn Du Brombeeren sammeln möchtest, suche an Waldrändern, Wiesen- und Waldwegen. Sammle allerdings keine Beeren, die in der Nähe von stark befahrenen Straßen oder Industrieanlagen wachsen, denn an ihrer Oberfläche setzen sich leicht Giftstoffe aus der Luft fest. Brombeeren müssen unbedingt gekühlt gelagert werden. Aber selbst im Kühlschrank halten sie sich maximal einige Tage. Es ist immer empfehlenswert, sie direkt nach dem Kauf oder Sammeln zu essen. Ganzjährig genießen kannst Du Brombeeren, indem Du sie einfrierst. Am besten frierst Du sie erst einige Stunden auf einem Tablett vor und füllst sie dann in einen anderen Behälter um, um zu verhindern, dass sie zu einem großen Klumpen verkleben. Gewaschen werden Brombeeren am besten in einer Schüssel mit Wasser, in der Du sie vorsichtig hin- und herbewegst. Danach können sie frisch gegessen oder zu vielen Leckereien weiterverarbeitet werden. Ihr Geschmack ist süß-säuerlich und aromatisch, manchmal wird er als waldig bezeichnet. Außerdem sind Brombeeren sehr saftig. Sie kommen oft in Desserts zum Einsatz, in Obstsalaten, Smoothies, Eis, Cremes, Kuchen und Torten, oder werden zu Saft, Marmelade oder Gelee verarbeitet. Sehr gut schmecken sie kombiniert mit anderen Früchten wie Pfirsichen und Nektarinen oder anderen Beeren wie Johannisbeeren oder Himbeeren. Es lohnt sich aber auch, herzhafte Kombinationen auszuprobieren, beispielsweise mit Ziegenkäse oder Rucola.